Nebenprodukte der Nesselgarnherstellung

Tiereinstreu

Die Holzteile aus dem Stängelinneren der Fasernessel sind eine beliebte Tiereinstreu. Die vielen, unterschiedlich großen Hohlräume in den Nesselscheben mit ihrem breit verteilten Porenvolumen sorgen gerade im Pferdestall dafür, dass die Tiere sowohl trocken stehen als auch unerwünschte Ammoniakemissionen der Tiere bzw. ihrer Ausscheidungen zugunsten eines guten Stallklimas gebunden werden.

Faserverstärkung von Kunststoff

FaserverbundstoffDer Anteil an Nesselfasern, der zum Verspinnen zu kurz ist, ist prinzipiell zur Verstärkung von thermoplastischen Kunststoffen – also solchen, die bei hohen Temperaturen schmelzen und beim Abkühlen wieder erstarren – durchaus geeignet.

Versuchsweise wurden Nesselfasern sowohl in Erdöl basierte Thermoplaste wie Polyproylen als auch aus nachwachsenden, Stärke basierten Thermoplasten wie PLA (Polymilchsäure) eingesetzt. Allerdings ist zu erwarten, dass die Nesselfaser aufgrund ihrer geringen Reißdehnung bei den großen mechanischen Kräften, wie sie bei den entsprechenden Herstellungsverfahren (Extrusion und Spritzguss) auftreten, nochmals stärker als die heute bereits dazu verwendeten Fasern wie Hanf, Kenaf oder Flachs eingekürzt wird.

Sehr kurze Fasern führen zwar zu einer erhöhten Steifigkeit der Bauteile, gleichzeitig wird jedoch deren Schlagzähigkeit vermindert: das Bauteil wird zwar sehr hart, gleichzeitig aber – besonders in der Kälte – auch spröde.

Nahrungsmittel

KräutersuppeDie Nessel hat als Nahrungsmittel sicherlich eine viel längere – wenn auch nicht beschriebene – Tradition denn als Faserpflanze. Die jungen grünen Pflanzenteile und später im Jahr die Triebspitzen haben einen sehr hohen Gehalt an Eiweiß, Vitaminen und Mineralstoffen. Auch weisen diese Pflanzenteile einen hohen Gehalt an Flavonoiden auf, sind antibakteriell und wirken wie das gleichfalls reichlich enthaltene Vitamin C als Antioxydans, so dass die Nessel immer wieder auch als „Anti-Aging-Pflanze“ genannt wird.

Außerdem spielen diese Flavonoide neben den Brennhaaren eine Rolle als Fraßschutz gegen die meisten Insekten, während sie für andere Insekten wie die Tagfalter Admiral, Tagpfauenauge und kleiner Fuchs eher wie ein Fraßstimulans wirken. Auch für die Färbung der Schmetterlingsflügel wird diesen „sekundären Pflanzeninhaltsstoffen“ eine Funktion zugesprochen. Besonders begehrt in Notzeiten und gemeinsam mit Giersch sind Brennnesseln das erste Wildgemüse des Jahres.

Gekocht als Nesselsuppe oder gebacken als Brennnesselpfannkuchen sind die Brennhaare ohnehin unschädlich. Falls man frischen Verzehr als Salat vorzieht, genügt schon kräftiges Wringen oder Durchklopfen der gewaschenen Blätter unter einem Küchenhandtuch um auch die letzten Brennhaare unschädlich zu machen. Brennnesselkäse hat sich in dem Warenangebot gut sortierter Käsetheken gehalten und wird dort beileibe nicht als Notlösung sondern als Delikatesse empfunden. Die Nesselsamen sind geröstet nicht nur sehr nahrhaft, sondern sollen darüber hinaus auch eine aphrodisierende Wirkung auf beide Geschlechter haben.

Wegen des hohen Vitamin- und Mineralstoffgehaltes wird die Nessel vor allem in der biologischen Landwirtschaft – für Jungtiere zerkleinert – in der Schweine- und Rinderzucht gerne beigefüttert.

Pharmazie

Haufen GlobuliBrennnesselblatt und –kraut gehören zu den meistgenutzten Arzneidrogen überhaupt. Sie zeigen ausgeprägte harntreibende und entzündungshemmende Wirkungen und werden bei sehr unterschiedlichen Beschwerden eingesetzt. Diese reichen von Entzündungen der unteren Harnwege bis hin zu rheumatischen Erkrankungen. Äußerlich angewendet helfen sie als Haarwasser bei Schuppen und fettigem Haar.

Brennnesselwurzeln haben erst in den letzten Jahren verstärkt als Fertigpräparat zur Behandlung von Beschwerden in Zusammenhang mit einer gutartigen Prostatavergrößerung Beachtung gefunden. Die positive Wirkung dieser Präparate wird sowohl auf Eingriffe durch die enthaltenen Phytohormone auf den hormonellen Stoffwechsel des Menschen als auch auf entzündungshemmenden und immunstimulierenden Effekte des Lektin und der Sterole zurückgeführt.

Pflanzenfärberei

Pflanzenfärberei
Die Fasernessel hat auch eine Tradition als Färberpflanze vor allem für Wolle. Die bereits genannten Flavonoide aus der Wurzel bewirken eine wachsgelbe, ihre Kombination mit dem Chlorophyll der Blätter eine graugrüne Färbung.

Natürliches Pflanzenstärkungsmittel

Frische, in Wasser angesetzte Brennnesseljauche wird von naturnah gärtnernden Zeitgenossen als Mittel, um Läuse von damit übergossenen Pflanzen zu vertreiben, sehr geschätzt. Lässt man die Brühe angären, so beeindruckt sie zwar nicht mehr so die Läuse, wirkt aber aufgrund des hohen Mineralstoff- und Einweißgehaltes der Nessel als Blattdünger und Stärkungsmittel.

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