Kulturansprüche

Standort

Fasernesseln wachsen fast überall, es sei denn, es ist dort zu trocken, zu salzig oder sehr nährstoffarm. Ein gezielter Anbau jedoch muss hohe Fasererträge je Flächeneinheit erbringen, denn die beträchtlichen Kosten für die Anpflanzung fallen auf einem ungünstigen Standort etwa in gleicher Höhe an wie auf einem vielversprechenden Standort.

Vielversprechende Standorte sind tiefgründig, humos und nährstoffreich. Die Nessel fordert zudem eine gute Wasserversorgung, dabei ist das Jahresmittel an Regen nicht so wichtig, entscheidend ist der Niederschlag zur Zeit der Massebildung in Juni und Juli oder aber die gute Zugänglichkeit der unteren Bodenschichten für die Wurzeln, aus denen die Nessel sich im Notfall ebenfalls mit Wasser versorgen kann.Deshalb ist Nesselanbau auch auf Niedermoorstandorten, die in der Regel über eine gute Wasserversorgung aus dem Boden verfügen, möglich.

Düngung

Fasernesseln gehören zu den Ruderalpflanzen; sie finden sich in freier Natur überall dort, wo Stickstoff reichlich im Boden vorhanden ist. Sie benötigen, verglichen z.B. mit Faserlein, hohe Nährstoffgaben; Fasernessel bis 150 kg Stickstoff pro Hektar, Flachs dagegen nur 25 kg Stickstoff pro Hektar: Ebenso werden für Kalium bis 150 kg pro Hektar empfohlen, während Flachs mit 80 kg pro Hektar bereits zufrieden ist. Dabei ist der Fasernessel jedoch zugute zu halten, dass die überwinternden Wurzeln den Stickstoff nahezu vollständig vor Auswaschung bewahren. In den Wurzeln wird der Stickstoff z.B. als Aminosäure „zwischengelagert“ und steht im nächsten Frühjahr für die neue Saison zur Verfügung. Sehr hohe Stickstoff-Gaben befördern zudem die Blattbildung, sie sind also eher interessant für Krautnutzung als Blattdroge und weniger geeignet zur Fasergewinnung. Zu beachten ist jedoch, dass der Nährstoffexport bei Ganzpflanzenernte von Frischmasse erheblich ist. Wird die Nessel taugeröstet und/oder die Blätter bei der Ernte abgetrennt und auf dem Feld belassen, wird die mit dem Erntegut vom Feld abtransportierte Nährstoffmenge („Nährstoffexport“) mehr als halbiert.

Nutzungsdauer

Die Nutzungsdauer der Dauerkultur Fasernessel wird mit 5 bis 10 Jahren angegeben. Einzelne, gut gepflegte Praxisflächen erreichen wohl auch 15 und mehr Jahre.

Bei angenommenen 10 Jahren Nutzungsdauer verteilen sich die hohen einmaligen Kosten der Anpflanzung von ca. 5.000 € je Hektar etwa so auf die Jahre, das sie mit den jährlichen Kosten einer Bodenbearbeitung und Aussaat von Flachs oder Hanf gleich ziehen.

Entsprechend führt eine kürzere Nutzungsdauer von 5 Jahren zu einer schmerzhaften, weil unwirtschaftlichen Verdopplung der durchschnittlichen jährlichen Kosten, während eine auf 15 Jahre verlängerte Nutzung die anteiligen jährlichen Kosten auf zwei Drittel reduziert.

Nach der Nutzung als Faserpflanze ist, steinarme und nicht zu schwere Böden sowie entsprechende Abnehmer vorausgesetzt, eine letzte Nutzung der Wurzeln für pharmazeutische Zwecke möglich. Diese kann etwa zwei Tonnen pro Hektar Trockenmasse an Ertrag bringen und mit praxisüblichen Rüben- oder Kartoffelrodern erfolgen.

Die in Kultur befindlichen Fasernesselstämme unterscheiden sich von wildwachsenden Brennnesseln vor allem im Wuchs, sie werden deutlich höher, im Extremfall über 2,5 m. Sofern die Bestandesdichte nicht zu gering ist, haben sie auch eine geringere Neigung zur Verzweigung als die wilden Verwandten.

Fasernesseln weisen zudem eine geringere Anzahl an Nesselzellen (Brennhaaren) auf und werfen früher als die Brennnessel die unteren Blätter ab.

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